29. Januar 2017

Rezension: „Das Juwel – Die Gabe“

Titel: „Das Juwel – Die Gabe“

Autorin: Amy Ewing

Seiten: 445 (Hardcover)

Verlag: Fischer

Preis: 16,99€ (Hardcover)

Band: 1
Inhalt

Violett Lasting lebt mit ihrer Familie im Sumpf, dem ärmsten der fünf Kreise der „Einzigen Stadt“. Mit 12 Jahren muss sie ihre Familie verlassen und in die Verwahranstalt Southgate ziehen, da eine Untersuchung ergeben hat, dass sie ein Surrogat ist. Surrogate sind Mädchen, die aus genetischen Gründen die Form, die Farbe und das Wachstum von Dingen beeinflussen können. Sie werden an den Adel verkauft, um dem Kinder von Gesundheit und besonderer Perfektion zu gebären.
Bei der großen Auktion wird Violett von der Herzogin am See ersteigert und zieht in deren Palast im Juwel, dem reichsten der fünf Kreise, ein.

Das Surrogat der Fürstin der „Einzigen Stadt“ hat dieser vor kurzer Zeit einen Sohn geboren. Die Herzogin verlangt nun von Violett, dass sie ihr schneller als alle anderen Surrogate eine Tochter zur Welt bringt. Diese soll dann mit dem Sohn der Herzogin vermählt werden.
Das Leben im Palast der Herzogin ist weit luxuriöser, als Violett es zuhause je hätte haben können, aber trotzdem leidet sie stark unter der Fremdbestimmung und der Art und Weise, wie der Adel mit den Surrogaten umgeht.
Schließlich verliebt sich Violett auch noch Hals über Kopf in Ash, den gutaussehenden Gefährten der Nichte der Herzogin. Durch ihre Liebe riskieren Violett und Ash ihrer beider Leben. 
Schließlich fasst Violett den Entschluss, aus dem Juwel zu fliehen. 
Doch dann kommt alles ganz anders, als geplant.

Meine Meinung

„Das Juwel – Die Gabe“ ist der erste Teil der „Juwel“ -Reihe von Amy Ewing.
 
Das Buchcover hat mich persönlich nicht besonders stark angesprochen. Ich mag es einfach nicht gerne, wenn die Hauptfigur als reale Person abgebildet ist.
Positiv und hilfreich habe ich jedoch sowohl die Karten als auch das Personenverzeichnis im Buchinneren empfunden.

Mit nur geringem Vorwissen bezüglich des Inhalts, habe ich dieses Buch lediglich gekauft, weil ich mir eine Geschichte ähnlich, wie die der „Selection“- Reihe erhofft hatte.
Schnell hat sich herausgestellt, dass dies absolut nicht der Fall ist. Die eigentliche Handlung weist kaum Parallelen auf.
Dies hat mich persönlich enttäuscht, spricht jedoch selbstverständlich grundsätzlich überhaupt nicht gegen, sondern wohl eher für das Buch!

Die gesamte Geschichte ist von einer grauen und fast gruseligen Grundstimmung geprägt.
Das in der „Einzigen Stadt“ vorherrschende System ist ergreifend und sorgt durchgehend für Gänsehaut.
Der respektlose und gewaltsame Umgang mit den Surrogaten wird in so drastischer Weise dargestellt, dass man fast verängstig darauf wartet, was als nächstes passiert.
Die Vorstellung einer unfreiwilligen Leihmutterschaft verbunden mit dem vollständigen Verlust der Selbstbestimmtheit und der endgültigen Trennung von Familie und Freunden, ist wohl für ein Mädchen eines der schlimmstmöglichen Szenarien.
Erschütternd ist zudem, dass die Surrogate vor der Auktion über ihr Schicksal quasi völlig in Ungewissheit gelassen werden. Zusammen mit ihnen findet man nach und nach heraus, was ihre Gabe letztlich für ihr Leben bedeutet.

Violett selbst und ihr Schicksal erregen unglaubliche Empathie. Ich habe mit ihr gelitten und war mit ihr wütend. Ihre Entwicklung von einem schüchternen und unterwürfigen Mädchen hin zu einer selbstbewussten, hinterfragenden und mutigen Frau ist beachtlich und glaubwürdig dargestellt.

Den Charakter der Herzogin fand ich sehr interessant. Eindrucksvoll zeigen sich abwechselnd ihre zwei Gesichter. Sie hat sowohl eine harte, machtorientierte und emotionslose, sowie eine verletzliche Seite, deren ständiger Wechsel viele Fragen aufwirft und weiteres Potential birgt.

Das Leben des Adels wird sehr spannend präsentiert. Ausschließlich von den Frauen dominiert befinden sich die Paläste in einem permanenten Kampf um Macht und Ansehen, in dem die Damen alles zu tun bereit sind.

Die kleinen Glücksmomente der Freundschaft, Familie, Liebe und Musik sind schön und liebevoll beschrieben, vermögen die kalte Gesamtstimmung jedoch nicht zu kippen. Auch wenn die Beziehungen zu Hazel, Raven, Annabelle oder Lucien tröstlich und überzeugend erscheinen, gelingt es ihnen jedoch meines Erachtens nicht, ausreichend Wärme auszustrahlen, um dem Leser einen dringend notwendigen Gegenpol zu bieten.

Am meisten Schwierigkeiten bereitet hat mir jedoch die Beziehung zwischen Violett und Ash. Ash tritt erst zu einem sehr späten Zeitpunkt erstmalig in Erscheinung. Die Beziehung schießt von null auf hundert binnen weniger Seiten, was ihr erheblich an Glaubwürdigkeit nimmt. Auch wenn die Verbindung der beiden über die Liebe zur Musik und ihre ähnlichen Schicksale eine schöne Idee ist, ist Ash meines Erachtens so plump eingeführt, dass er den Verlauf der Geschichte fast mehr stört, als bereichert. Mir persönlich hätte es deutlich besser gefallen, wenn Ash eher und dafür unterschwelliger und langsamer in Erscheinung getreten wäre, um eine Entwicklung in der Beziehung zu ermöglichen.

Gegen Ende des Buches kommt die Geschichte mit viel Spannung noch einmal in Fahrt. Eine überraschende Wendung beendet den ersten Band.

Die Sprache ist leicht lesbar. Die anfänglichen Schwierigkeiten mit den spezifischen Begriffen sind schnell überwunden.
 
Fazit

Insgesamt kann man das Buch gut lesen. Für meinen Geschmack gelingt ein angemessenes Verhältnis zwischen erschreckender Dystopie und Hoffnungsmomenten jedoch nicht, sodass das Dunkel der Geschichte zu stark überhand gewinnt. Für ein Jugendbuch ein ganz schön harter Brocken. Der Inhalt ist ausgefallen und interessant präsentiert, eine Magie konnte ich persönlich jedoch nicht spüren. Auch meine Hoffnung auf eine starke Liebesbeziehung wurde leider enttäuscht. Nichtsdestotrotz birgt die Handlung weiteres Potential und das Lesen von Band 2 ist, durch den Cliffhanger zum Schluss, wohl auch für mich unumgänglich.
 
Meine Bewertung
 

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